Odem
Irene Bisang

Irene Bisang verwebt in ihrem Schaffen hintergründige Bildwelten und doppelbödige Erzählstränge zu einer kaleidoskopischen Schatzkammer. Genreübergreifend untersucht die Künstlerin so unterschiedliche Themen wie Religion, Mythologie, Sexualität, Fruchtbarkeit, Vergänglichkeit und Tod. In Bisangs Werk finden sich religiöse Themen und in der christlichen Tradition verhafteten Darstellungen vielfältig wider. Dabei ist die Künstlerin keineswegs an einer bibeltreuen Wiedergabe interessiert. Vielmehr setzt sie aus verschiedenen Versatzstücken Neues zusammen, fügt hinzu, lässt weg und wirft assoziativ einen frischen Blick auf altbekannte Bildthemen. So überführt die Künstlerin beispielsweise Mariendarstellungen in die heutige Zeit und erweitert das Thema Mutter und Kind um weitere Facetten.

Dabei bedient sie sich verschiedener Materialien und künstlerischer Techniken. Bei Arbeiten auf Papier reicht die Bandbreite von Collagen über Gouachen bis hin zu Aquarellen, daneben Öl- und Acrylmalereien auf Leinwand oder Holz. Der altmeisterliche Duktus der Acryl- und Ölmalereien wird durch kleine Formate und die teils surreal anmutenden Bildthemen unterlaufen. Häufig nicht grösser als eine halbe A4 Seite, fordern die Werke die Betrachter*innen auf, näher zu treten. Es stellt sich eine unmittelbare Nähe ein, die manchmal überrascht, erschreckt, gar unangenehm sein kann. Erst beim genaueren Hinsehen erschliessen sich die hintergründigen Bildwelten der Künstlerin.

In der Ausstellung «Odem» trifft Irene Bisang auf die Sammlungsbestände des Hauses, historische Objekte reihen sich dabei in die Ideenwelt der Künstlerin ein. Entlang der Ausstellungsräume zieht die Präsentation ein dichtes Netz assoziativer Verbindungslinien, spielerisch verwebt Bisang Werke der Sammlung mit ihrem Oeuvre. Odem, ein aus der Dichtung entlehnter Begriff, steht umgangssprachlich für Atem, Hauch oder Seele. In der gleichnamigen Ausstellung spiegelt die Künstlerin anhand der historischen Sammlung den Blick der Vergangenheit im Gegenwärtigen, ein Bildkosmos entsteht vom gestern ins heute. Dabei trifft ein bunter Reigen an Figuren auf christliche Symbole, Fantasiewesen bevölkern Stillleben, Bildfindungen vom Werden und Vergehen stossen auf humorvolle Inszenierungen. Neben der Entdeckung ihres Werkes, bietet Bisangs künstlerische Praxis die Möglichkeit, die hauseigenen Sammlungsbestände mit neuen Augen zu sehen. Die von vielen christlichen Objekten und Bildern geprägte Sammlung des Museums, erfährt durch den zeitgenössischen Blick neue Zusammenspiele, lässt verschwundene Schätze ans Licht treten, und die Besucher*innen die eigene Kulturgeschichte neu entdecken.

Aufgaben: Kuration, Text
Kollaborateur*in(nen): Sarah Wirth
Klient*in: Museum Sankturbanhof
Jahr: 2021
Weiteres: Bilder zur Ausstellung, Saaltext